Die Norm VDE-AR-N 4105, die am 27. April 2019 in Kraft trat, erlaubt es jedem Betreiber kleine Photovoltaikanlagen bis zu einer Gesamtleistung von 600 Watt selbst zu installieren. Diese kann man beim Netzbetreiber auch selbst anmelden Ein Elektroinstallateur wie bisher ist nicht mehr unbedingt notwendig. Damit ist es einfacher geworden, in die regenerative Energieerzeugung selbst einzusteigen. Eine steckerfertige PV Anlage auf dem Balkon schützt die Umwelt und spart dabei noch Geld.
Was benötigt man für eine PV Anlage auf dem Balkon?
Das wird für eine steckerfertige PV Anlage mit 600 Watt benötigt:
- PV Module mit einem Wechselrichter (ab ca. 600 Euro)
- Montagematerial (Kosten hängen von der Art der Anbringung ab)
- Optional: Einbau einer Energiesteckdose (25 Euro – 150 Euro)
- Optional: Messung und Überwachung der Anlage (25-100 Euro)
- Je nach Art des vorhandenen Zählers: Austausch des Zählers (0-150 Euro)
Eine Anlage mit 600 Watt Leistung kann aus zwei Solarmodulen mit je ca. 300 Watt und einem kleinen Wechselrichter zur Umwandlung der Spannung bestehen. Die Leistung der Solarmodule kann auch höher sein, da ausschlaggebend die maximale Leistung des Wechselrichters ist. Diese darf nicht über 600 Watt liegen, da es sonst nicht mehr als Balkonanlage eingestuft wird. Bei Sonneneinstrahlung erzeugen die Module Gleichstrom, den der Wechselrichter in Wechselstrom umwandelt. Für eine solch kleine Anlage wird meist ein kleiner Modulwechselrichter eingesetzt.
Um die korrekte Funktion der Anlage online zu überwachen und den erzeugten Strom zu messen, sollte noch ein Datenlogger oder vergleichbares installiert werden. Die Hersteller der Wechselrichter bieten oft eigene Kommunikationsmodule an. Für einen Preis von unter 100 Euro ist es möglich, den Wechselrichter über WLAN an den Internet Router anzuschließen. Der Vorteil dieser Variante ist es, dass beide Komponenten vom gleichen Hersteller produziert werden und eine Vielzahl von Messwerten anzeigen. Die Erträge sowie Fehlermeldungen sind dann online am Smartphone oder PC zu sehen. Falls der Anschluss über eine Schuko-Steckdose erfolgt und ein Fritzbox als Router vorhanden ist, kann alternativ auch die intelligente Steckdose AVM FRITZ!DECT 200 für einen Preis von 45 Euro zur Auswertung angeschlossen werden. Diese zeigt aber nur den erzeugten Strom an. Aber auch andere intelligente Steckdosen wie z.B. von Homematic oder NoName Produkte können eingesetzt werden.
Mit einem Stecker schließen Sie den Wechselrichter an Ihr Stromnetz an und speisen den selbst erzeugten Strom ein. Bei der gewählten Anlagengröße kann der größte Teil der erzeugten Energie vor Ort selbst verbrauchen werden. Überschüssiger Strom wird automatisch in das allgemeine Stromnetz zurück gespeist. Ältere Zähler drehen sich dann rückwärts, weshalb der zuständige Netzbetreiber diese gegen Zähler mit einer Rücklaufsperre austauscht. Bei größeren Anlagen wird ein zweiter Zähler installiert, damit die zurück gespeiste Energie gemessen und vergütet werden kann. Bei kleinen Anlagen ist dies nicht sinnvoll, da Sie den erzeugten Strom fast vollständig vor Ort verbrauchen.

Installation
Nach dem Kauf können Sie die Anlage mit etwas handwerklichem Geschick auch ohne Elektriker selbst installieren. Die Hersteller der Sets liefern eine Anleitung für den Selbstaufbau mit. Aufgrund der geringen Größe ist die Installation auch auf dem Balkon oder der Terrasse möglich, die üblicherweise in eine Himmelsrichtung mit viel Sonneneinstrahlung ausgerichtet sind. Die Module könnten dann als Sichtschutz senkrecht am Balkon befestigt werden. Optimal wäre es, die Module in einem Winkel von 30-35 Grad auf dem Dach zu installieren, da der Ertrag dann um ca. 15 Prozent höher wäre. Auf einem Balkon könnte man diese auch z.B. als Ersatz für eine Markise installieren. Es ist dann aber schon etwas mehr handwerkliches Geschick notwendig, da die Konstruktion so stabil sein muss, dass diese auch Wind- oder Schneelasten aushält. Bei einer Befestigung am Gebäude empfiehlt sich vorher die Rücksprache mit dem Vermieter wenn man nur zur Miete wohnt.
Da ein normaler Schuko Stecker nicht berührungssicher ist, wird von der VDE empfohlen, die PV Anlage über eine spezielle Energiesteckdose anzuschließen. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Wieland Steckdose, die zu einem Preis ab 25 Euro zu kaufen ist. Dies ist ein spezieller Stecker, bei dem die Kontakte nicht offen liegen. Diese VDE-Norm ist gesetzlich nicht verbindlich, so dass auch andere Anschlussmöglichkeiten nicht ausgeschlossen sind. Der Schukostecker ist damit nicht direkt verboten sondern befindet sich in einer rechtlichen Grauzone. Fast alle Stecker-PV-Anlagen gibt es daher auch mit Schukostecker zu bestellen. Der Wechselrichter einer Balkon PV-Anlage schaltet bei Netztrennung automatisch aus, so dass im Normalfall keine Spannung an den Kontakten anliegt.
Falls Sie eine Energiesteckdose anschließen wollen ist der Anschluß analog zu einer normalen Steckdose durchzuführen. Wenn Sie die entsprechenden elektrotechnischen Kenntnisse nicht besitzen, sollte diese Arbeiten ein Elektriker durchführen. Rein rechtlich muss . In der Praxis Die Anmeldung der PV Balkonanlage beim Netzbetreiber können Sie selbst vornehmen, was mittlerweile in den meisten Fällen unkompliziert ist: Das Ausfüllen eines einfachen Formulars reicht hierfür aus.
Eine steckerfertige PV Anlage lohnt sich
Eine Solaranlage mit 600 Watt kostet ab 600 Euro zzgl. Montagematerial. Hinzu kommen noch die Kosten für die Überwachungsmöglichkeit sowie der Austausch des Zählers, sofern noch kein Zähler mit Rücklaufsperre oder ein intelligenter Zähler vorhanden ist. Ab dem aktuellen Jahr tauschen die Netzbetreiber alte Zähler aufgrund der Smart Pflicht bereits bei einem Verbrauch unter 10.000 kWh Strom aus. Aber erst im Jahr 2032 muss der Austausch für alle Zähler abgeschlossen sein. Die Kosten für den Austausch betragen je nach Netzbetreiber zwischen 0 Euro und maximal 150 Euro. Zusätzlich können bei Bedarf noch Kosten für die Installation einer Energiesteckdose durch einen Elektriker entstehen. In Summe kostet die Anlage damit zwischen 600 und 900 Euro.
Über das ganze Jahr erzeugt eine steckerfertige PV Anlage auf dem Balkon je nach Ausrichtung ca. 500 kWh Strom. Dies entspricht ungefähr 20 % des Strombedarfs einer vierköpfigen Familie. Da die Module die volle Leistung nur an wenigen Stunden im Jahr liefern, kann der produzierte Strom zum großen Teil selbst verbraucht werden. Neben einem Kühlschrank sorgen viele elektronische Geräte u.a. auch mit Standby Verlusten für eine entsprechende Grundlast Bei einem Strompreis von 30 Cent pro kWh sparen Sie damit bis zu 150 Euro im Jahr ein. Für Singlehaushalte mit einem niedrigeren Stromverbrauch reicht bereits eine kleinere Anlage mit z.B. 300 Watt aus. Optimal ist es, wenn die steckerfertige PV Anlage dann den Strom erzeugt, wenn gleichzeitig der Stromverbrauch hoch ist. Dies ist dann der Fall, wenn eine Klimaanlage oder ein Pool im Garten mit Sandfilteranlage in Betrieb sind. Diese Geräte laufen dann, wenn die Sonne scheint und viel Strom erzeugt wird.
Im Vergleich zu Modernisierungen von Heizungen oder Verbesserung der Wärmedämmung amortisiert sich eine steckerfertige PV Anlage schneller. Dies ist aktuell eine der wirtschaftlichsten Maßnahmen, um CO2 einzusparen. Man muss aber berücksichtigen, dass eine indirekte Förderung durch die anderen Stromkunden erfolgt. Die Allgemeinheit bezahlt die volle Kraftwerksleistung auch wenn diese nur als Reserve vorhanden ist. Nur dann ist garantiert, dass auch bei Dunkelheit oder Windflaute weiter Strom fließt. Eine Lösung für dieses Problem sind im nächsten Schritt Batteriespeicher, die derzeit noch teuer sind, deren Preise aber stetig mit ca. 10-15 Prozent pro Jahr sinken.
Fazit
Eine steckerfertige PV Anlage auf dem Balkon amortisiert sich im Optimalfall bereits nach 5-6 Jahren. Der eingesparte Strom entspricht dann dem Kaufpreis. Im Anschluss daran erzeugt die Anlage zum Nulltarif weiter Strom. Die Haltbarkeit einer PV Anlage ist nach bisherigen Erfahrungen größer als 20 Jahre. Damit können Sie direkt einen Beitrag zum Umweltschutz beitragen und Klimaschutz in der Realität umsetzen. Falls Sie sich für die Umsetzung interessieren sind hier mehr Details nachzulesen: MachDeinenStrom.de
Zusätzlich sollte man parallel Maßnahmen unternehmen, um den Stromverbrauch zu reduzieren. Tipps dazu sind hier zu finden:


